Silikonisierte Materialien für Verpackung, Etiketten und Selbstklebebänder
Silikonisierte Materialien sind Papiere, Folien und Kartons mit einer vernetzten Silikonschicht, die der Oberfläche antiadhäsive Eigenschaften verleiht – der Klebstoff haftet gerade so weit, dass er beim Transport nicht verrutscht, und löst sich so leicht, dass das Etikett bei der Verarbeitung nicht reißt. In der Etiketten- und Klebebandbranche heißt ein solches Material Release-Liner (bei Papierträgern auch Trennpapier). Bei DOLPAP produzieren wir silikonisierte Papiere mit 35 bis 160 g/m² in Breiten von 15 bis 1600 mm sowie silikonisierte Folien aus PET, PP und PE in Breiten von 30 bis 1600 mm, ein- oder beidseitig beschichtet, in den Varianten easy release und controlled release. Im Folgenden erklären wir, wie das Material auf einen konkreten Fertigungsprozess abgestimmt wird.
Wie ein Release-Liner funktioniert und warum er über die Linienleistung entscheidet
Der Liner wirkt wie eine Nebensache – schließlich landet er am Ende im Abfall. Tatsächlich entscheidet er darüber, ob die Linie mit der vorgesehenen Geschwindigkeit läuft. Die Silikonschicht senkt die Oberflächenenergie des Trägers, sodass der Haftklebstoff keine dauerhafte Verbindung mit ihm eingeht. Es entsteht ein dreiteiliger Aufbau: Obermaterial (Etikettenpapier oder -folie), Klebstoffschicht und silikonisierter Träger. Damit dieser Aufbau funktioniert, muss die Ablösekraft innerhalb des Prozessfensters der Maschine liegen.
Eine zu niedrige Ablösekraft bedeutet, dass sich Etiketten in der Rolle selbst lösen, die Bahn seitlich verläuft (Bahnversatz) und die Positionierung leidet. Eine zu hohe führt zu Bahnrissen, verformten Etiketten und Klebstoffresten auf dem Liner – beim Stanzen kann sie den sauberen Gitterabzug sogar unmöglich machen. Die Ablösekraft wird üblicherweise in cN/25 mm angegeben und bei definierter Abzugsgeschwindigkeit und definiertem Winkel gemessen; ein Wert im Datenblatt ist deshalb nur zusammen mit der Prüfmethode aussagekräftig.
Silikonisiertes Papier für Etiketten – Trägersorten
Bei silikonisierten Papieren ist die Wahl des Trägers wichtiger als die Beschichtung selbst. Vier Sorten decken die Mehrzahl der Anwendungen ab:
- Glassine – glattes, halbtransparentes Papier mit geschlossener, satinierter Oberfläche. Der Standard bei Selbstklebeetiketten, geschätzt für die Gleichmäßigkeit der Beschichtung und die gute Durchsicht bei der optischen Kontrolle.
- Kraftpapier – unbeschichtetes braunes oder weißes Papier mit höherer mechanischer Festigkeit. Bewährt bei breiten Bahnen, höheren Bahnspannungen und überall dort, wo Reißfestigkeit zählt.
- CCK (Clay Coated Kraft) – mit Kaolin beschichtetes Papier, glatt und dimensionsstabil. Die geschlossene Oberfläche begrenzt das Einsinken des Silikons und ermöglicht eine gleichmäßige Schicht bei geringerem Auftrag.
- PCK (Poly Coated Kraft) – mit Polyethylen beschichtetes Papier, das Papiereigenschaften mit einer Feuchtigkeits- und Fettbarriere verbindet. Die Wahl, wenn der Liner Feuchtigkeit oder aggressive Massen aushalten muss.
Die Grammaturen reichen von 35 bis 160 g/m²: Glassine 35–160 g/m², Kraft 35–50 g/m², CCK 40–135 g/m² und PCK 60–150 g/m². Die Farben umfassen Weiß, Braun, Gelb und Topas, wobei die Verfügbarkeit von der Trägersorte abhängt – die Farbe ist dabei nicht nur optisch relevant, sondern kann auch die automatische Bahnerkennung an der Maschine beeinflussen.
Silikonisierte Papiere – Sorten und typische Anwendungen
| Trägersorte | Eigenschaften | Typische Anwendung |
| Glassine | glatt, halbtransparent, satiniert | Selbstklebeetiketten, Digital- und Flexodruck |
| Kraft | unbeschichtet, weiß oder braun, fest | breite Bahnen, Klebebänder, technische Laminate |
| CCK | mit Kaolin beschichtet, glatt und stabil | Premium-Etiketten, präzises Stanzen |
| PCK | PE-beschichtet, mit Barrierewirkung | feuchte Umgebung, Kleb- und Dichtmassen |
Silikonisiertes Papier für Selbstklebebänder – was der Prozess verlangt
Die Bandfertigung stellt andere Anforderungen an den Liner als die Etikettenproduktion. Bei doppelseitigen Klebebändern arbeitet der Träger beidseitig mit Klebstoff, weshalb eine beidseitige Silikonisierung nötig ist – meist mit unterschiedlichen Ablösekräften, damit sich das Band kontrolliert abrollt und nicht zufällig delaminiert. Bei Butylbändern und Dichtmassen zählen vor allem die Beständigkeit der Beschichtung gegenüber aggressiven, plastischen Massen sowie die Steifigkeit des Trägers.
Ebenso wichtig ist die Stabilität über die Zeit. Die Folgen einer unvollständigen Vernetzung zeigen sich hier zeitversetzt: Das Laminat läuft einwandfrei von der Linie, der Verlust an Klebkraft wird erst nach einigen Wochen Lagerung sichtbar – beim Endkunden, lange nach der Abnahme der Partie. Material für Klebebänder sollte daher nicht nur unmittelbar nach der Produktion geprüft werden, sondern auch nach beschleunigter Alterung unter lagerähnlichen Bedingungen.
Silikonisierte Folien – wann statt Papier
Folie ist die Antwort dort, wo Papier an seine Grenzen stößt. PET bietet Dimensionsstabilität sowie Beständigkeit gegen hohe Temperaturen und Zugkräfte – der Träger der Wahl für Laminierprozesse, die Herstellung von Verbundwerkstoffen und Anwendungen, in denen die Bahn unter Last läuft. PP ist leichter und wirtschaftlicher, PE weich und mechanisch robust, und gekrepptes PP passt sich dank seiner Struktur unebenen Oberflächen an – daher der Einsatz bei Butylbändern und Bauabdichtungen.
Unsere Folien liefern wir in Dicken von 8 bis 100 µm (meist 12, 23, 36, 50, 60, 75 und 80 µm), in Breiten von 30 bis 1600 mm, in den Ausführungen transparent, weiß, schwarz, rot, blau sowie weiß-schwarz. Die Beschichtung erfolgt ein- oder beidseitig, lösungsmittelfrei oder mittels UV-Technologie. Die Transparenz ist dabei häufig ein funktionaler Parameter: Sie ermöglicht die optische Bahnkontrolle und den Einsatz von Durchlichtsensoren, was bei Papier zusätzliche Marken erfordern würde.
Papier oder Folie – ein kurzer Vergleich
| Kriterium | Silikonisiertes Papier | Silikonisierte Folie |
| Dimensionsstabilität | gut, feuchtigkeitsempfindlich | sehr gut (besonders PET) |
| Temperaturbeständigkeit | durch den Träger begrenzt | hoch bei PET |
| Transparenz | nur halbtransparentes Glassine | vollständig in transparenter Ausführung |
| Reißfestigkeit | abhängig von der Grammatur | hoch bei geringer Dicke |
| Dicke / Grammatur | 35–160 g/m² | 8–100 µm (meist 12–80 µm) |
| Recycling | Altpapierstrom (Anlagen mit Silikonentfernung) | Kunststoffstrom |
| Materialkosten | in der Regel niedriger | höher, durch Leistung ausgeglichen |
Die Ablösekraft – der wichtigste Auswahlparameter
Die Wahl der Ablösekraft beginnt nicht beim Liner, sondern beim Klebstoff, mit dem er arbeiten soll. Acrylat-, Kautschuk-, Hotmelt-, Butyl- und Silikonklebstoffe verhalten sich gegenüber einer Trennbeschichtung völlig unterschiedlich, und silikonbasierte Massen erfordern Spezialbeschichtungen. Deshalb bitten wir in jeder Anfrage um Angabe des Klebstoffsystems – es ist die eine Information, ohne die die Auswahl zur Vermutung wird.
Wir bieten zwei Grundklassen: easy release, also eine niedrige Ablösekraft für schnelle Prozesse und empfindliche Obermaterialien, sowie controlled release, wenn das Ablösen kontrolliert und reproduzierbar erfolgen soll. Möglich sind auch unterschiedliche Ablösekräfte auf beiden Materialseiten. Dabei gilt: Der im Labor gemessene Wert ist ein Bezugspunkt, keine Garantie für das Verhalten auf der Linie. Das reale Ergebnis hängt von Abzugsgeschwindigkeit, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lagerdauer des Laminats ab – deshalb empfehlen wir vor der Einführung einen Test am Zielmaterial und bei Zielgeschwindigkeit.
Ein- und beidseitige Silikonisierung, lösungsmittelfrei und UV
Die einseitige Silikonisierung genügt bei klassischen Etikettenlaminaten, in denen der Klebstoff nur eine Trägerseite berührt. Beidseitig wird bei doppelseitigen Klebebändern, Trennblättern und Materialien beschichtet, die ohne zusätzlichen Liner gewickelt werden. Die lösungsmittelfreie (solventless) und die UV-Technologie erzeugen eine dünne, gleichmäßige und vollständig vernetzte Schicht ohne Lösungsmittel – was sowohl ökologisch als auch verfahrenstechnisch zählt, da das Risiko flüchtiger Rückstände in Verpackungsmaterialien entfällt.
Silikonisierte Kartons, Trennblätter und gekreppte Folie
Neben Bahnmaterialien in Rollen benötigt die Branche auch steife Trennlösungen. Silikonisierte Kartons und Trennblätter schützen klebrige Massen – Schmelzklebstoffe, Butyl- und Dichtmassen – während Transport und Lagerung vor dem Verkleben und erlauben zugleich ein sauberes Trennen der Lagen bei der Materialentnahme. Die gekreppte Folie (im Sortiment als Prägefolie geführt) eignet sich dank Struktur und Dehnbarkeit als flexibler Schutz für unebene und profilierte Oberflächen.
Branchen und Anwendungen
- Verpackung und E-Commerce – Träger für Logistiketiketten, Liner für Selbstklebebänder, Schutzmaterialien in der Konfektionierung.
- Druck und Werbung – Träger für Aufkleber, Etiketten und selbstklebende Materialien im Digital- und Flexodruck.
- Bauwesen – Trennlagen in Dachbahnen, Wärmedämmungen und Dichtbändern.
- Automobilindustrie – Liner für selbstklebende Dichtungen, Schutzschichten und mit Doppelklebeband montierte Bauteile.
- Textil und Hygiene – Kaschieren von Materialien, Schutz von Klebestreifen in Hygieneprodukten.
- Chemische Industrie – Trennblätter und Kartons für Butylmassen, Schmelzklebstoffe und hochviskose Produkte.
Wie man silikonisiertes Material auswählt – sechs Fragen
Bevor wir eine Empfehlung aussprechen, lohnt es sich, einige Fragen zu beantworten. Mit welchem Klebstoff arbeitet das Material und welche Chemie liegt zugrunde? Welche Liniengeschwindigkeit und welches Verarbeitungsverfahren sind vorgesehen – Stanzen, Kaschieren, Wickeln? Wird Transparenz oder eine bestimmte Trägerfarbe benötigt? Bei welcher Temperatur und Luftfeuchtigkeit läuft der Prozess, und wie lange lagert das Laminat vor der Verwendung? Welche Arbeitsbreite, welcher Rollen- und Hülsendurchmesser sind gefordert? Wie hoch sind Volumen und erwartete Lieferfrequenz? In den meisten Fällen genügen diese Antworten, um Träger, Beschichtung und Konfektionierung konkret vorzuschlagen.
Konfektionierung, Dokumentation und Auswahlwerkzeuge
Silikonisierte Materialien liefern wir als Rollen, Spulen, Bögen und Zuschnitte in Breiten von 15 mm (Papiere) bzw. 30 mm (Folien) bis 1600 mm, mit Wicklung und Hülse passend zur Abnehmermaschine. Auf Wunsch ergänzen wir technischen Aufdruck und Chargenkennzeichnung, was Lagerkontrolle und Rückverfolgbarkeit erleichtert. Die Parameter der einzelnen Produkte sind in herunterladbaren Datenblättern zusammengefasst; auf der Website stehen zudem ein Rollenkalkulator und ein Produktvergleich bereit – Werkzeuge, mit denen sich die wichtigsten Kennwerte schon vor dem Gespräch mit dem Vertrieb abschätzen lassen.
Warum DOLPAP?
Silikonisierte Materialien fertigen wir in Chojnów auf drei Beschichtungsmaschinen in lösungsmittelfreier und UV-Technologie – darunter auf der 2024 in Betrieb genommenen UV-Linie mit 1620 mm Arbeitsbreite – und konfektionieren sie auf vier Rollenschneidmaschinen. Ablösekraft, Schichtdicke und Gleichmäßigkeit bestätigen wir im eigenen Werkslabor, ungewöhnliche Kombinationen aus Träger und Beschichtung entwickeln wir im Forschungs- und Entwicklungszentrum, seit 2010 gemeinsam mit der Technischen Universität Wrocław (Breslau). Wir arbeiten nach den Anforderungen der Normen PN-EN ISO 9001:2015 und PN-ISO 45001:2018; die Herkunft des Papierrohstoffs belegt die FSC®-Chain-of-Custody-Zertifizierung (FSC® C142223) – ausgewählte Produkte liefern wir in FSC®-zertifizierter Ausführung. Neben Katalogprodukten bieten wir Lohnbeschichtung, Schneiden und Bedrucken an – damit sich das Material dem Prozess anpasst und nicht umgekehrt.
FAQ – silikonisierte Materialien
Was ist ein Release-Liner?
Ein Liner ist ein Trägermaterial mit Trennbeschichtung – Papier, Folie oder Karton mit Silikonschicht –, das die Klebstoffschicht bis zur Verarbeitung schützt und ein kontrolliertes Ablösen ermöglicht. Er ist in praktisch jedem Selbstklebelaminat enthalten; die Ausnahme sind linerlose Konstruktionen.
Welches silikonisierte Papier eignet sich für Etiketten?
Für die meisten Etikettenanwendungen eignet sich Glassine, für präzises Stanzen und Premium-Etiketten CCK. Bei höheren Bahnspannungen und breiten Bahnen ist Kraft die bessere Wahl, in feuchter Umgebung PCK.
Worin unterscheiden sich easy release und controlled release?
Easy release bedeutet eine niedrigere Ablösekraft, sinnvoll bei schnellen Prozessen und empfindlichen Obermaterialien. Controlled release steht für kontrolliertes, reproduzierbares Ablösen, wenn die Stabilität des Parameters über die Zeit entscheidend ist.
Wann sollte Folie statt Papier gewählt werden?
Wenn Dimensionsstabilität, Temperaturbeständigkeit, Transparenz oder hohe Festigkeit bei geringer Dicke gefragt sind – typischerweise bei Verbundwerkstoffen, Laminaten und Prozessen mit hoher Bahnspannung.
Bieten Sie beidseitige Silikonisierung an?
Ja, wir fertigen ein- und beidseitige Beschichtungen, auch mit unterschiedlichen Ablösekräften je Seite – Standard bei doppelseitigen Klebebändern und Trennblättern.
In welchen Breiten sind die Materialien erhältlich?
Silikonisierte Papiere schneiden wir von 15 bis 1600 mm, Folien von 30 bis 1600 mm. Ebenso verfügbar sind Bögen im Wunschformat und Zuschnitte.
Sind silikonisierte Materialien recycelbar?
Papierliner können im Altpapierstrom recycelt werden – in Anlagen, die zur Silikonentfernung ausgerüstet sind; Folienliner gehören in den Kunststoffstrom. Die Trägerwahl sollte deshalb auch im Hinblick auf den geplanten Entsorgungsweg getroffen werden.
Sind Materialien mit Sonderparametern möglich?
Ja – wir bieten Lohnbeschichtung und Konfektionierung an und stimmen Träger, Beschichtungsart, Ablösekraft und Wicklung auf den konkreten Fertigungsprozess ab.
Sie wählen ein silikonisiertes Material für die Etiketten-, Klebeband- oder Verpackungsproduktion aus? Sprechen Sie uns an – wir schlagen Träger und Release-Niveau passend zu Ihrem Klebstoff und Ihrer Liniengeschwindigkeit vor und senden Ihnen Muster für Ihre Tests.
